Oberwald

Als  Oberwald wird üblicherweise der  Waldbereich zwischen  Südtangente im Norden, Autobahn im Osten und Süden und Dammerstock/Rüppurr im
Westen bezeichnet. Der eigentliche Oberwald ist der östliche Teil und gehört zu Durlach. Ungefähr die südwestl. Hälfte trägt die Bezeichnung Rißnert.

Der  Oberwald liegt
in der feuchten östlichen  Randsenke des Oberrheingrabens, der Kinzig-Murg-Rinne. Das niedrig gelegene Feuchtgebiet entstand
während der  Eiszeit durch einen  Wasserlauf (Randfluss/sog. 
Kinzig-Murg-Strom), der am Fuß der östlichen   Grabenflanke nach Norden floß und der
der Vorfluter für die von Osten kommenden  Nebenflüsse und Bäche war.
Im Bereich des  Oberwalds verzweigte sich der Wasserlauf mehrfach und so
bildete sich hier eine interessante  Mischung von tieferen Rinnen und dazwischen liegenden  Kiesbänken. In der ehemaligen Flußaue konnte sich des-
halb eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt bilden/erhalten, die heute großenteils unter Schutz steht.


   
1914                                               Oberwald Übersicht                                           2016
Der Kartenvergleich zeigt wie das stadtnahe Erholungsgebiet Oberwald heute an drei Seiten von stark befahrenen Verkehrslinien umrandet ist.
(Quellen: links Topographische Karte  1 : 25 000 des Großherzoglich Topographischen Bureaus von 1914, rechts OpenStreetMap contributors jeweils Ausschnitte, verändert)
Alle Bilder ohne Datum vom Mai 2008



Oberwald
Wie die Schilder zeigen, ist der  Oberwald ein  Landschaftsschutzgebiet und  stellenweise  ein
Wasserschutzgebiet. Außerdem beinhaltet er das Naturschutzgebiet Erlachsee (s. u.) und den
Bannwald Rißnert.


Feuchtgebiet mit Pappeln


Trockenere Kiesinsel mit Mischwald


Scheidgraben
Der  Oberwald wird von mehreren  Gräben durchzogen. Diese dienen normalerweise der Ent-
wässerung. Bei starken Niederschlägen und Hochwasser der Alb haben die Gräben und auch
der Oberwald jedoch noch eine besondere Funktion.



Überflutete Autobahn - Blick von der Autobahnbrücke zwischen Rüppurr und Ettlingen nach Norden
Im Mai 1970 war die A 5 wegen   Überflutung zwei Tage unpassierbar. Das Bild zeigt, wie die Feuerwehr das
Wasser aus dem tiefliegenden Teil der Autobahn im Bereich der östlichen Randsenke/Kinzig-Murg-Rinne ab-
pumpt.

Um zukünftig weitere Überschwemmungen der  Autobahn und des Rüppurrer Bereichs durch Hochwasser der Alb
zu  vermeiden, hat man -  neben  den  zuerst genutzten  Stauräumen  Weiherwald und  Salmenwiesen - auch den
Oberwald als  Retentionsraum  eingeplant. Bei  starkem  Hochwasser wird über  Seegraben/Hägenichgraben  und
Scheidgraben Wasser der Alb zur Entlastung in den südlichen Oberwaldbereich abgeleitet. Von dort kann es nach
Rückgang des kritischen Wasserstands über den Regenwasserkanal der Südtangente wieder abgepumpt werden.
Der Nordteil des Oberwalds wird wegen eines Wasserschutzgebiets und des Tierparks nicht als Stauraum genutzt.



Technisches Bauwerk zur Regulierung des Wasserstands im Oberwald


Bombentrichter
Im  Oberwald findet man noch viele dieser flachen, runden Vertiefungen, deren Entstehung vielen
jüngeren Karlsruhern wohl unklar ist. Es handelt sich um Bombentrichter, die
bei den Luftangriffen
des letzten Krieges
durch Fehl- oder Notabwurf entstanden. Heute bilden sie häufig Lebensräume
für diverse Amphibien.



Erlachsee
Der Bereich des Erlachsees ist ein Naturschutzgebiet, das im Zuge des Baus der Südtangente
1969 entstand. Durch die  Entnahme von  Baumaterial entstand ein Baggersee, der später zum
Naturschutzgebiet umgestaltet wurde. Unterschiedliche Tiefe und vielfältig gestaltete Uferzonen
bieten vielen Tieren und Pflanzen einen geschützten Lebensraum. Der gesamte See und seine
Uferzone sind eingezäunt, an einigen Stellen wurden Beobachtungsmöglichkeiten (siehe Karten-
skizze unten) eingerichtet. Zum Schutz gegen Überflutung mit Schmutzwasser - bei Ableitung von
Albhochwasser in den Rückhalteraum Oberwald - wurde der See mit einem niedrigen Damm um-
geben.



Uferbereich des Erlachsees


Übersichtstafel beim Erlachsee (Ausschnitt)
Auf der  Kartenskizze erkennt man im  Norden des  Erlachsees noch einen See, den  Oberwaldsee,
der weiter unten  gezeigt wird.  Östlich des Oberwalds verläuft die Autobahn, was in diesem Bereich
 zu einer erheblichen Lärmbelastung führt.



Die Autobahnunterführung im Nordosten des Oberwalds
Die Unterführung enthält einen Durchlass für Fußgänger und Fahrzeuge (links) und einen Durchlass für
den von Wolfartsweier kommenden Hausengraben.


PEFC = Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes
Dieses  Schild findet man am  Waldrand südlich der oben abgebildeten  Autobahnunterführung. Die
nachhaltige und zertifizierte Waldwirtschaft fördert Mischbestände, läßt keine Kahlschläge zu, sorgt
für ausreichend Totholz und Schonung des Bodens beim Maschineneinsatz und verzichtet auch auf
Pestizide.

Das  Schild steht an der Waldecke der von rechts kommenden Wegeinmündung im vorigen Bild .


   
Der Oberwaldsee
Im Gegensatz zum Erlachsee ist der Oberwaldsee trotz ähnlichen Eindrucks kein Naturschutzgebiet. Er wird im Zuge der Naherholung und
als Angelwasser genutzt. Das Ufer ist rundum zugänglich.



Oberwaldsee


Spielplatz
Der nicht besonders attraktive Spielplatz am Rand des Sees ist - wie der Grillplatz auf der gegen-
überliegenden Seite - auch ein HInweis auf die Funktion des Sees als Naherholungsbereich.



Vietnam Sikahirsch im Tierpark Oberwald
Der Tierpark im  Oberwald gehört ebenfalls zum Bereich Naherholung in der Peripherie der Stadt.
Es handelt
sich bei den Tiergehegen um einen ausgelagerten Teil des Karlsruher Zoos. Man kann
die Tiere in freier  Natur beobachten, stellenweise  aber auch an der  lückenhaften oder  fehlenden
Bodenbedeckung in den Gehegen die Folgen von Überstockung studieren.



Südtangente
Die vielbefahrene Verkehrslinie bildet die Nordgrenze des Oberwalds und sorgt auch in diesem
Bereich für Verlärmung. Unter der Südtangente  verläuft der Regenwasserkanal über den auch
 das  Wasser  aus  dem Retentionsraum   wieder abgepumpt werden kann. Mitte hinten ragt der
Turm des Wasserwerks aus den Bäumen.


  
Das  linke  Bild zeigt mit Blick über die  Südtangente den heutigen (2008) Zustand des  Wasserwerks Durlacher  Wald. Der frühere
Wasserhochbehälter auf dem Turm wurde schon  lange abgebaut, da er nicht mehr notwendig war. Ein Parallelgebäude
(zwischen
Wasserturm  und  Südtangente)
zu dem im  Hintergrund sichtbaren  Haus  musste im Zuge des Baus der Südtangente  abgerissen
werden. Das rechte  Bild zeigt eine Karte mit den  Karlsruher Wasserwerke, der Rahmen um das Wasserwerk Durlacher Wald wurde
hier nachträglich zur Verdeutlichung hinzugefügt. Die Tafel steht am
"Karlsruher Wasserweg", den man vom Wasserwerk aus begehen
kann.
Größere Karte hier.



Der Plan zeigt im Norden das Wasserwerk (Standort) südlich von Rangierbahnhof und Südtangente. Der Wasserweg ist rot eingezeichnet.


Wasserweg
Der Wasserweg mit Tafeln zur Erläuterung führt teilweise entlang der Brunnenlinie des Wasserwerks.
 Einen der Brunnen sieht man im Hintergrund.

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Ergänzung 2011
Bilder vom 2. April 2011

Besonders schön ist der Oberwald im Frühling


Frühling im Oberwald
Der im April noch lichte Oberwald ist erfüllt von Frühblühern - hier Anemonen


Frühlings-Scharbockskraut

   
Busch-Windröschen                                                                              Frühlings-Scharbockkskraut

   
Wiesen-Schaumkraut                                                                                      Purpurrote Taubnessel



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Nachtrag Januar 2017
Das Naherholungsgebiet Oberwald ist von Norden her besonders für die Bewohner der Südstadt
über die "Wasserwerkbrücke" leicht erreichbar. Da die marode Brücke demnächst saniert werden
 muss, soll dieser Zugang zum  Oberwald ca. ein Jahr gesperrt werden, was zu heftigen Protesten
 der Südstadtbewohner führt.
Bilder von der Wasserwerkbrücke im Kapitel Südstadt


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